Keramik

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Ke|ra|mik [ke'ra:mɪk], die; -, -en:
1. Gefäß oder anderer Gegenstand aus gebranntem [und glasiertem] Ton:
eine Ausstellung alter Keramiken.
2. <ohne Plural> Gesamtheit der Erzeugnisse aus gebranntem Ton.
Syn.: Porzellan.

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Ke|ra|mik 〈f. 20
I 〈unz.〉
1. Technik zur Herstellung von Gegenständen aus gebranntem Ton
2. keram. Erzeugnisse herstellende Industrie
3. Gesamtheit der Erzeugnisse aus gebranntem Ton (Fein\Keramik, Grob\Keramik)
II 〈zählb.〉 einzelnes Erzeugnis aus gebranntem Ton ● in der Ausstellung waren hübsche \Keramiken zu sehen

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Ke|ra|mik [gleichbed. frz. céramique (griech. keramikós = irden, tönern)], die; -, -en; Syn.: keramischer Werkstoff: Sammelbez. sowohl für aus tonkeramischen u./od. sonderkeramischen Rohstoffen geformte, gebrannte u. ggf. gesinterte Erzeugnisse als auch für die Kunst bzw. Technik vor deren Herst. in Töpferei oder keramischer Industrie. Man unterscheidet Grobkeramik (Ziegel, Klinker, Tonrohre u. -steine, Schamottesteine, Terrakotten usw.) u. Feinkeramik mit der Untergliederung in poröses Tongut (Irdenware) mit farbigem Irdengut (Töpferwaren) bzw. ungefärbtem Steingut (Geschirr, Sanitärkeramik) u. in gesintertes, dichtes Tonzeug (Sinterware) mit farbigem Steinzeug (Bodenfliesen, Sanitärkeramik) u. weißem Porzellan (Geschirr). Sonderkeramiken sind z. B. Schlackensteine, Silicasteine, Schleifscheiben, Graphittiegel. Vgl. Glaskeramik, Oxidkeramik, Cermets.

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Ke|ra|mik , die; -, -en [frz. céramique < griech. keramike̅̓ (téchnē) = Töpfer(kunst), zu: kéramos = Töpferton, -ware]:
1.
a) <o. Pl.> Erzeugnisse aus gebranntem Ton od. (seltener) aus Porzellan:
die Ausstellung zeigt K. (künstlerische Keramik) des Barocks;
b) künstlerisch, kunsthandwerklich gestalteter Gegenstand aus Keramik (2):
eine wertvolle chinesische K.
2. gebrannter Ton, aus dem Keramik (1 a) hergestellt ist:
die Vase ist aus K.;
ist das K.?
3. <o. Pl.> Technik der Herstellung von Keramik (1 a) u. das entsprechende [Kunst]handwerk, die entsprechende Industrie:
die minoische K.

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Keramik
 
[französisch céramique, von griechisch keramike̅́ (téchnē) »Töpfer(kunst)«, zu kéramos »Töpferton«] die, -/-en, allgemeine Bezeichnung für Fertigprodukte oder Halbzeuge aus nichtmetallisch-anorganischen Werkstoffen, die zu mindestens 30 % in kristalliner Form vorliegen; im klassischen Sinne für aus Tonmassen geformte und gebrannte Erzeugnisse (Tonkeramik). Rohstoff dieser »klassischen Keramik« ist eine durch Wasser plastifizierbare tonige Substanz. Ihre Bestandteile sind die Tonminerale Kaolinit, Illit und Montmorillonit, die in der Formgebung Träger der Plastizität (Formbarkeit) sind, vergesellschaftet mit Quarz, Feldspat, Glimmer und/oder Kalk; außerdem enthält sie Eisen- und/oder Titanverbindungen, die für die Färbung verantwortlich sind. Plastizität und Brennverhalten der Tone werden durch nichtplastische Rohstoffe beeinflusst, v. a. Quarz und Feldspäte. Letztere dienen mit Kalk und Glimmer beim Brennen als Flussmittel. Je nach den gewünschten Eigenschaften der Fertigprodukte werden die Rohstoffe (oft nach einem Mahlprozess) im geeigneten Verhältnis gemischt. Durch Zusatz von Flüssigkeit (in der Regel Wasser) nehmen sie Konsistenzeigenschaften an, die für die Formgebung technisch ausgenutzt werden können. Ein hoher Wassergehalt (25-35 %) bewirkt eine dickflüssige Suspension (Schlicker), ein niedriger dagegen ergibt ein krümeliges Pulver (Wassergehalt bis zu 10 %); dazwischen liegt ein pastöser Zustand, in dem die tonmineralhaltigen Substanzen eine bildsame Masse (Wassergehalt 18-25 %) bilden. Die Formgebung von Schlicker erfolgt durch Eingießen in poröse, Wasser aufsaugende Formen, die dem Schlicker Wasser entziehen und so eine feste Schicht erzeugen. Bildsame keramische Rohmassen können von Hand, durch Rollerformgebung (wobei die Masse durch ein rotierendes, beheiztes metallisches Rollerwerkzeug in oder über eine nicht klebende Form, z. B. aus Gips, gewalzt wird) oder durch Strangpressen (z. B. bei Rohren, Stäben, Hohllochziegeln, Vollsteinen) geformt werden. Die Verdichtung krümeliger Pulver geschieht am häufigsten durch Trockenpressen. Dazu werden die Pulver entweder in Stahlmatrizen gefüllt und durch Aufprägung einseitigen mechanischen Drucks kalt verdichtet oder in Gummiformen dem allseitig einwirkenden hydrostatischen Druck einer Flüssigkeit ausgesetzt (isostatische Verdichtung).
 
Um eine Zerstörung der Formteile durch innere Wasserdampfbildung beim Brennen zu vermeiden, müssen die wasserhaltigen Tonmassen vor dem Brand einem Trockenprozess unterworfen werden. Der Trockenvorgang hat eine Volumenschrumpfung (Schwindung) des Formteils von bis zu 20 % zur Folge. Während des anschließenden Brennens entweicht in einer Vorwärmphase zunächst das restliche Anmachwasser. Die beim Brennen wesentlichen Reaktionen beginnen bei etwa 450 ºC: Quarz ändert seine Kristallform bei 573 ºC (aus β-Quarz wird α-Quarz), wobei er gleichzeitig sein Volumen erhöht; die Tonminerale verlieren ihr chemisch gebundenes Wasser, aus Kaolin wird »Metakaolin«; bei Temperaturen oberhalb 925 ºC treten die ersten Schmelzanteile in der Masse auf. Belässt man die Brenntemperatur unterhalb 1 000 ºC, entsteht ein Produkt, das durch das ausgetriebene Wasser Poren enthält und dadurch zur Wasseraufnahme fähig ist. Da außerdem die Kristallstruktur erhalten bleibt, ist die Schrumpfung der Masse gering. Oberhalb von 1 000 ºC dagegen beginnt das Material zu sintern, d. h., die Oberflächen der einzelnen Gefügebestandteile bilden Festkörperkontakte miteinander; das Gefüge verdichtet sich zunehmend. Beim Abkühlen erstarrt die viskose Schmelze beim Unterschreiten ihrer Glastemperatur (zwischen 800 und 900 ºC), sodass im Gefüge der meisten tonkeramischen Erzeugnisse eine amorphe Glasphase existiert, die nicht geschmolzene Kristalle und Poren einschließt. Anteile und Ausbildungsformen der kristallinen Anteile sind neben der Zusammensetzung der Rohmasse v. a. von der Brenntemperatur und -dauer abhängig. Härte und Dichte des gebrannten Tons (Scherben) bestimmen die Eigenschaften und damit die Einteilung der Tonkeramik. Durchgesinterte Erzeugnisse (Tonzeug) sind hart und wasserdicht, hierzu gehören Porzellan und Steinzeug. Die meisten natürlich vorkommenden Tone müssen aber unter 1 000 ºC gebrannt werden, da die Produkte sonst in der Wärme des Brennofens ihre Form verlieren, ehe sie gebrannt sind. Diese ungesinterten Erzeugnisse (Tongut) sind nicht sehr hart und bleiben porös, so die raue Irdenware, sie werden aber durch die Glasur wasserdicht gemacht, z. B. Fayence und Steingut. Eine eigene Kategorie bildet die wasserundurchlässige Schwarzware mit Graphit. Die aufgrund ihrer Gefügestruktur große Oberflächenrauigkeit der Tonkeramik kann durch eine mechanische Weiterbearbeitung (z. B. Schleifen, Polieren) oder - meistens - durch Aufbringen einer dünnen, glatten Glasur oder einer Engobe beseitigt werden.
 
Neben diese »klassische Keramiken« traten in den letzten Jahrzehnten »Hightechkeramiken«, d. h. Fertigteile und Halbzeuge aus nichtmetallisch-anorganischen Werkstoffen, deren Einsatz durch Optimierung bestimmter Eigenschaften und Formgebungsverfahren eine spezielle Verwendung erlauben (z. B. Elektrokeramik in Kondensatoren, Temperaturmessfühlern, piezoelektrischen Zündelementen; Werkzeugkeramik wie Schleifwerkzeuge und Schneidkeramik in der Fertigungstechnik; Kernbrenn- und Absorberkeramik in Kernreaktoren; Biokeramik in der Medizin; Substratkeramik in der Mikroelektronik; Glaskeramik in der Haushaltstechnik; keramische Teile im Motoren- und Gasturbinenbau; Keramikfasern für Wärmeisolation bei Temperaturen bis über 2 000 ºC).
 
Die handwerkliche Herstellung der Tonkeramik erfolgt durch Töpfer (Hafner, Pötter, Euler), die heute v. a. Gefäßkeramiken auf der Töpferscheibe herstellen, aber auch andere Gebrauchsgegenstände und Plastiken, die frei aufgebaut werden, wobei der Übergang zum Kunsthandwerker und Künstler (Keramiker) fließend ist. Techniken der handwerklichen Tongestaltung sind das Aufbauen aus Spiral- oder Ringwülsten und Lappen, das Aushöhlen eines Tonklumpens durch Drücken, auf der Töpferscheibe das Austreiben und Ausformen mit Hand, mit Streich- und Glättwerkzeugen u. a. Hilfsmitteln. Das Verzieren erfolgt u. a. durch Einritzen, Aufdrücken von Mustern (auch mit Modeln), Auflegen von Tondekor und Bemalen.
 
 
In Archäologie, Kunst und Kunstgewerbe ist Keramik i. w. S. Sammelbezeichnung für alle Arten von geformten und in der Regel gebrannten Erzeugnissen aus tonigen Massen, wird jedoch meist auf Erzeugnisse des Töpferhandwerks im engeren Sinn (Tongefäße sowie Kleinplastik) eingeschränkt; bei niedriger Temperatur gebrannte unglasierte Tonware (v. a. figürliche Plastik) wird als Terrakotta bezeichnet.
 
 
und Altertum: Bei den frühesten keramischen Funden handelt es sich um Tonfiguren aus dem europäischen Jungpaläolithikum (Dolní Věstonice). Nachdem in Vorderasien im 9. Jahrtausend v. Chr. die Keramik (wieder) erfunden worden war (Tonfiguren des präkeramischen Neolithikums), entstand im 8. Jahrtausend die handgeformte Gefäßkeramik (keramisches Neolithikum), dabei wurden meist Tonwülste übereinander gelegt und dann verstrichen. In Asien steht am Beginn der Keramik im 6. Jahrtausend v. Chr. die rötliche Ware in China und die graue Ware der Jōmonkultur Japans. Die nach jeweils charakteristischer Form und Dekor und Art des Scherbens gut unterscheidbare Keramik ist das Leitmaterial für die zeitliche und räumliche Gliederung vor- und frühgeschichtlicher Kulturen. Für Mitteleuropa sind u. a. die frühe Bandkeramik sowie die Schnurkeramik zu nennen. In Vorderasien wurden Gefäße seit dem 6. Jahrtausend v. Chr. auf der langsamen Töpferscheibe gedreht, und die zwei- oder mehrfarbige »Buntkeramik« der bemaltkeramischen Kulturen erreichte im 6. bis 4. Jahrtausend v. Chr. und zum Teil noch später eine hohe künstlerische Blüte. Kernbereiche dieser Kulturen waren Mesopotamien und Iran, Südkleinasien und Griechenland, Randzonen reichten im Westen bis Sizilien und Unteritalien, im Norden über die Balkanhalbinsel bis Mähren und Südrussland, im Osten bis ins südliche Zentralasien und nach Westpakistan. Umstritten ist, ob ähnliche Keramik in Nordchina (5. Jahrtausend v. Chr. ) dazuzurechnen ist. Bedeutende Fundorte im nördlichen Mesopotamien (mit Syrien) sind u. a. Tell Hassuna, Samarra und Tell Halaf, im südlichen Mesopotamien Eridu, Tell Obeid und Djemded Nasr, im Iran Godintepe, Tepe Gijan, Hasanlu, Tepe Sialk und Schar-e Sochta, in Turkmenistan Namasga-Tepe und Anau und in der Türkei Hacɪlar und Çatal Hüyük. Die Erfindung der schnell drehenden Töpferscheibe um 4000 v. Chr. brachte auch Massenware mit sich. Mit Hand geformt ist die bemalte Keramik der Diminikultur im Griechenland des beginnenden 3. Jahrtausends v. Chr.; hervorzuheben ist in der Ägäis die frühe Keramik der Kykladenkultur, in der 1. Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. die minoische Keramik Kretas (Kamaresvasen), während die helladische Kultur auf dem griechischen Festland formschöne, scharfkantige Keramik erzeugte, die auch in Troja gefunden wurde. Beide bildeten den Hintergrund der mykenischen Keramik. In Ägypten ist die vorgeschichtliche bemalte Keramik der Negadekultur zu nennen. In Indien ist der Harappakultur eine rote bemalte Ware, den Indoariern (der vedischen Kultur) eine graue bemalte Ware zuzuordnen. Im Iran verbreitete sich Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. von Nordosten ausgehend schwarzgraue Ware. In der mykenischen Epoche waren sehr große Vorratsgefäße verbreitet, solche Gefäße wurden auch für Bestattungen verwendet. In der griechischen Antike waren fußlose Pithoi das wichtigste Transport- und Vorratsgefäß. Für kostbare Keramik entstand eine der Tafel- und Wandmalerei offenbar nahe stehende Vasenmalerei (Vasen). Daneben gab es große Tonplastiken (Götterbilder u. a.), mit denen besonders die Etrusker die Dächer ihrer vielfach mit Keramik verkleideten Tempel versahen. Die Römer gossen Keramik auch in Formschalen (Terra sigillata). Nach Mitteleuropa gelangte die Töpferscheibe anscheinend erst im 6. Jahrhundert v. Chr. (Kelten). - Das Altertum kannte auch glasierte Keramik, frühe Funde stammen aus Tell Halaf in Nordmesopotamien (Syrien) und aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. aus Ägypten, dessen glasierte Keramik als Fayence bezeichnet wird, obwohl es sich nicht um Zinnoxidglasur handelt. In Mesopotamien kam es nach Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. zu einer Blüte glasierter Fliesen. Die assyrische Kunst brachte im 1. Jahrtausend v. Chr. eine besonders schöne glasierte Gefäßkeramik hervor.
 
In der islamischen Kunst stellte man poröse Tonware (Wassergefäße, Lampen), glasierte Ware (Fayence, Lüsterfayence) und zeitweilig (11.-13. Jahrhundert) feine Quarz-Fritte-Keramik (Gefäße, Fliesen) her. Die in Samarra im Irak gefundene Keramik aus dem 9. Jahrhundert bildet einen ersten Höhepunkt: Neben einer weißen Ware mit kobaltblauer Unterglasurbemalung handelt es sich v. a. um die Lüsterfayence, bei der die glasierte Ware mit einem metallisch schimmernden Auftrag versehen ist. Entwickelt und hergestellt wurde diese Samarrakeramik vermutlich in Bagdad. Ihr Export ging in die ganze islamische Welt. Im 11. Jahrhundert setzte die Produktion von Lüsterfayence auch in Ägypten und Syrien, dann auch in Spanien und Iran ein, wo es seit dem 9. Jahrhundert verschiedene Keramikzentren gab (so genannte Gabriware; Buntkeramik aus Nischapur; weiße Keramik mit Schriftdekor aus Samarkand). Im frühen 13. Jahrhundert wurde im Iran, vermutlich in Kaschan, das Fayencemosaik entwickelt.
 
Europäisches Mittelalter
 
und Neuzeit: In Europa kannte man im frühen Mittelalter nur eine grobe, oft ohne Töpferscheibe hergestellte Keramik. Eine Ausnahme bildete Spanien, wo die Araber die islamische Tradition pflegten. Zum Hauptumschlagplatz der islamischen (maurischen) Keramik entwickelte sich während des hohen Mittelalter die Insel Mallorca. Nach ihr nannten die Italiener die in den umbrischen, toskanischen und oberitalienischen Städten hergestellten Nachahmungen dieser weiß glasierten Keramik »Majolica«. Der Hauptort der Majolikaproduktion wurde Faenza. Als man die mit weißer Zinnoxidglasur überzogene Keramik in Frankreich und Deutschland herstellte, nannte man sie nach dieser italienischen Stadt »Fayence«.
 
Nördlich der Alpen produzierte man nur einfache Irdenware. Erst vom 13./14. Jahrhundert an wurde es üblich, Gefäße und Fliesen mit farbiger Bleiglasur zu überziehen; Kupfergrün, Eisengelb und Manganviolett sind die wichtigsten Farbtöne dieser Hafnerware. Im Spätmittelalter entwickelte man im Rheinland die Herstellung von Steinzeug, dessen Herstellungszentren später v. a. der Westerwald (Kannenbäckerland) sowie Mittel- und Ostdeutschland wurden (Creußener Steinzeug, Bunzlauer Gut).
 
Von der Spätrenaissance an datieren Versuche, in Europa Porzellan zu erzeugen. Als Vorform entstand zunächst das Böttgersteinzeug, und 1708/09 gelang die Herstellung von weißem Hartporzellan (Böttger, Johann Friedrich). In etwa einem halben Jahrhundert verbreitete sich die Kenntnis der Porzellanherstellung in ganz Europa. Die Produktion von keramischer Gebrauchsware übernahm immer mehr die Industrie, das Töpferhandwerk wandte sich daher zunehmend dem Kunsthandwerk zu.
 
Nach der Phase des den floralen Dekor betonenden Jugendstils verzichtete die moderne westliche Keramik mehrere Jahrzehnte lang fast gänzlich auf Ornamente und Dekore und beschränkte sich auf die Farbigkeit oder die Struktur der Glasuren. Während sich nach dem Zweiten Weltkrieg neben den Keramikern auch einige Maler (so P. Picasso, F. Léger) wieder intensiv mit dem Bemalen von Keramik beschäftigten, bevorzugen viele Künstler der Gegenwart wieder die »gelenkte Zufälligkeit« der Glasur.
 
 
Zu den Keramikerzeugnissen der spätneolithischen Yangshaokultur gehört neben einer über ganz Nordchina verbreiteten grauen Gebrauchsware mit Ritzmustern oder Schnur- und Mattenabdrücken eine ebenfalls handgeformte, in Wulsttechnik aufgebaute Ware mit schwarzer oder rötlicher geometrischer Bemalung. Charakteristisch für Ostchina ist die auf der Töpferscheibe gedrehte und doppelt gebrannte, schwarze, polierte Longshanware. Aus der Shangzeit ist auch weiße Ware aus fast reinem Kaolin bekannt, deren Dekor an die Bronzegefäße der gleichen Zeit erinnert; daneben finden sich bereits erste Feldspatglasuren. Als Erfindung der späten Zhouzeit gilt das »Protoporzellan« mit überaus fein geschlämmtem Scherben, der fast die Härte von echtem Porzellan aufweist und mit Feldspatglasuren überzogen ist. Typisch für die Hanzeit sind kalt bemalte Gefäße, deren Dekor die stilisierten Motive der Bronzeornamentik durch realistische figürliche Darstellungen ersetzte. Schon im 1. Jahrhundert n. Chr. erschien das später weit verbreitete Steinzeug Yueyao mit charakteristischer olivbrauner bis blaugrüner Bleisilikatglasur. Das Yueyao der Tangzeit ist durch westlich, besonders sassanidisch beeinflusste Gefäßtypen (Pilgerflasche, Amphora) und Dekorelemente gekennzeichnet. Beliebt sind Dreifarbenglasuren (Tang-san-cai) mit ineinander fließenden grün, honiggelb, braun und seltener blau gefärbten Bleisilikatglasuren. In der Songzeit erlebte die Steinzeugproduktion einen Höhepunkt. Die Gefäßformen zeichnen sich durch schlichte, klassische Formen aus, die häufig an die Gefäßtypen der archaischen Sakralbronzen oder an die Gold- und Silberarbeiten der Tangzeit anknüpfen; auch bevorzugte man monochrome Glasuren (z. B. bei Seladon, Temmoku), die den Eindruck schlichter Eleganz steigerten.
 
 
Die früheste Keramik bildet die Jōmon-Keramik (»Schnurmuster«-Irdenware) seit 5000 v. Chr. Vom 3. Jahrhundert an entstanden mit höherer Brenntemperatur und Drehscheibe Yayoi- und Sue-Waren (japanische Kunst). Glasuren stellte man seit dem 8. Jahrhundert her. Die sechs führenden Keramikzentren Seto, Tamba, Imbe, Echizen, Shigaraki und Tokoname (heute Tokonabe) stellten jedoch, mit Ausnahme von Seto, seit dem 13. Jahrhundert Zentrum für Teekeramik, bis ins 16. Jahrhundert unglasierte Keramik her. Durch die Teezeremonie stieg der Bedarf an glasierter Keramik, die nun auch andernorts gefertigt wurde (Shino-, Oribe- und Raku-yaki). Die Töpfer Ninsei und Kenzan stellten in Kyōto im 17. Jahrhundert farbig dekorierte Keramik, Kyō-yaki genannt, in rein japanischem Stil her. Gleichzeitig entstand auf Kyūshū durch koreanische Töpfer Karatsukeramik, einfache, weißlich oder dunkel glasierte Ware. Die farbig glasierte Keramik beeinflusste das Porzellan, das seit 1616 in Arita produziert wird.
 
Nach Ozeanien gelangten keramische Produkte erst um 1600 v. Chr. (Lapitakultur). Lebendige keramische Traditionen sind im 19. und 20. Jahrhundert nur noch auf den Fidschiinseln (Keramik mit Harzüberzug) sowie in Melanesien angetroffen worden. Verziert wird hier u. a. durch Eindrücken von gezahnten Muschelrändern und punktförmige Einstiche von der Gefäßinnenseite her, die außen kleine Buckel erzeugen. Glasur ist nirgends anzutreffen.
 
Die ältesten Keramikfunde in Afrika datieren aus der Zeit zwischen 7000 und 5000 v. Chr. (Lowasera am Turkanasee, Elmenteita bei Nakuru). Höhepunkte erreichte die Keramik Schwarzafrikas in den Terrakottafiguren verschiedener westafrikanischer Kulturen, v. a. der von Nok (500 v. Chr.-200 n. Chr.) und Ife (10.-13. Jahrhundert), daneben der von Sao und Djenné sowie bei den Ashanti.
 
 
Ab 3900 v. Chr. (San-Pedro-Phase der Valdiviakultur im heutigen Ecuador) erschließen sich der Forschung die besonders reichhaltigen und vielgestaltigen keramischen Traditionen Amerikas, die in vorkolumbischer Zeit ohne Töpferscheibe auskamen. In Nordamerika fand sich die technisch und künstlerisch anspruchsvollste Keramik im Bereich der Mississippikultur und der frühgeschichtlichen Kulturen des Südwestens (Hohokam, Mogollon, Anasazi), in Mittelamerika bei den alten Hochkulturen v. a. der Maya, Mixteken und Zapoteken und den Westmexikanern (Colima, Nayarit, Jalisco). In Südamerika lagen die Schwerpunkte der Keramikproduktion im Andenhochland, an der peruanischen Küste (Nazca, Mochica, Chimú) und am Amazonas (Marajoara, Santarém).
 
 
 
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D. Eisleb: Töpferkunst der Maya (1969).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Keramik: Hochleistungskeramiken
 
keramische Werkstoffe
 
Bandkeramik: Spondylusschmuck - Ein Luxusgut
 
Buntkeramik: Ein neues Material und seine künstlerische Blüte
 
minoisches Kunsthandwerk: Natur und Ornament
 
mykenische Kultur: Idolplastik und Keramik spätmykenischer Zeit
 

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Ke|ra|mik, die; -, -en [frz. céramique < griech. keramike̅́ (téchnē) = Töpfer(kunst), zu: kéramos = Töpferton, -ware]: 1. a) <o. Pl.> Erzeugnisse aus gebranntem Ton od. (seltener) aus Porzellan: die Ausstellung zeigt K. (künstlerische Keramik) des Barocks; b) künstlerisch, kunsthandwerklich gestalteter Gegenstand aus ↑Keramik (2): eine wertvolle chinesische K.; Die Häuser sind renoviert. Lücken zwischen ihnen wurden mit Bänken, -en und Plastiken ... gefüllt (Berger, Augenblick 72). 2. gebrannter Ton, aus dem ↑Keramik (1 a) hergestellt ist: die Vase ist aus K.; ist das K.? 3. <o. Pl.> Technik der Herstellung von ↑Keramik (1) u. das entsprechende [Kunst]handwerk, die entsprechende Industrie: die minoische K.

Universal-Lexikon. 2012.

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